Situation geflüchteter Frauen

Die Situation von Frauen während und nach einer Flucht unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht von der von Männern. Neben den Belastungen durch Krieg, Verfolgung, Verlust von familiären Bindungen sowie den Bedingungen der langen und gefahrvollen Flucht selbst, gibt es frauenspezifische Belastungen.

Frauen und Mädchen machen gegenwärtig ca. 30% der in Deutschland registrierten Flüchtlinge aus. Es existieren frauenspezifische Fluchtursachen, wie weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation [FGM]), die im aktuellen Kontext vor allem bei Flüchtlingen aus Eritrea, wo religionsübergreifend ca. 89% der Frauen von FGM betroffen sind, relevant sind (UNICEF 2013). Zwangsverheiratungen sind vor allem bei afghanischen Frauen Fluchtgrund.
Systematische Vergewaltigungen sind ein Merkmal vieler Konflikte. Aus Syrien werden z.B. sexueller Missbrauch, Zwangsverheiratungen und Versklavung durch den IS aber auch andere Kriegsparteien berichtet. Auf der Flucht selbst kommt es zu Vergewaltigungen durch Schleuser und andere Flüchtlinge. Belastbare Zahlen hierzu fehlen, die Dunkelziffer ist als hoch anzunehmen (Artikel in der Zeit).

In den Flüchtlingsunterkünften in Deutschland sind alleinreisende Frauen eine Minderheit. Aufgrund kultureller Gegebenheiten, aber auch durch körperliche Unterlegenheit erhalten sie oft weniger Hilfsleistungen als Männer. In den Einrichtungen besteht häufig keine Privatsphäre, die Frauen sind auch hier sexueller Belästigung ausgesetzt. Auch aus deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen sind Vergewaltigungen beschrieben. Aus diesen Fällen zusammen genommen rekrutiert sich eine relevante Zahl von Frauen mit ungewollten Schwangerschaften. Insbesondere die Folgen sexueller Gewalt sind bei vielen Opfern mit Schamgefühlen belegt, die Frauen nehmen daher oft nicht oder spät Hilfe an. Auch hier liegen keine aussagekräftigen Zahlen vor. In der ersten Jahreshälfte 2015 wurden in Hamburg 11 Frauen in Frauenhäuser gebracht (Artikel im Abendblatt).